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Das Riemann-Thomann-Kreuz – Methode einer Gruppendarstellung

Dieses Riemann-Thomann-Kreuz beschreibt menschliche Unterschiede und ihre Auswirkungen auf Kommunikation und Beziehungen in Gruppen und hilft, diese zu verstehen. Das Modell behandelt typische Verhaltensweisen eines Individuums aus der Perspektive feststellbarer Grundströmungen: Dauer, Wechsel, Nähe und Distanz. Zu jeder dieser Strömungen lassen sich typische Qualitäten wie Werte, Haltungen und Prinzipien zuordnen. Das Modell wurde als ein Beziehungsmodell und nicht als ein Persönlichkeitsmodell entwickelt. Darüber hinaus können anhand des Kreuzes Gruppenfelder definiert werden. Grundlage hierfür sind für die Gruppe richtungsgebende Werte, Prinzipien, Umgangsformen und Weltansichten definiert (Stahl, 2017).

Die Darstellung des unten aufgeführten Modells erfolgte aufgrund einer gruppendynamischen Analyse, da die Gruppe augenscheinlich nicht motiviert war und die vereinbarte Projektziele nicht im vollen Umfang umgesetzt wurden. Letztendlich hatte der Vorgesetzte das Gefühl, dass sich die Gruppe in Diskussionen verstrickt und nicht effizient und teamorientiert an der Fertigstellung des Projektes arbeitet.

Die folgende Darstellung zeigt in grau hinerlegt das Gruppenfeld. Die Punkte von eins bis stellen die sechs Gruppenteilnehmer dar.

 

Abbildung: Angewandtes Riemann-Thomann-Modell einer Projektgruppe

Bis auf ein Gruppenmitglied befinden sich alle Gruppenmitglieder im Gruppenfeld der „Truppe“. 

Die Gruppe als Truppe zeigt Merkmale die von Dauer- und Distanzströmungen geprägt sind: Distanz fordert von den Gruppenmitgliedern vorwiegend sachlich, kühl, zweckorientiert, konkurriert und abgegrenzt miteinander umzugehen. Die Merkmale der Dauer einer Truppe sind ein miteinander, dass strukturiert, beherrscht, termintreu, sorgfältig und unnachgiebig ist (vgl. Stahl 2017: 278). Die Truppe fokussiert sich auf messbaren Erfolg und einen sachlich-förmlichen Umgangsstil, der emotionale Töne, als Zeichen von Schwäche und Bedürftigkeit, nicht akzeptiert. 

Interessant ist die Betrachtung des Gruppenteilnehmers vier, der im Gruppenfeld der „Gemeinschaft“ einzuordnen ist. Dieser Teilnehmer hat sich, hypothetisch betrachtet, der Gruppendynamik soweit untergeordnet und seine eigenen Interessen und Bedürfnisse zurückgestellt, um das Ziel der gesamten Gruppe nicht zu gefährden oder aus Angst in einen Konflikt mit den anderen Gruppenteilnehmern zu geraten. Aufgrund der ausgeprägten Sach- und Prinzipienorientierung, neigt die Truppe dazu Minderheitsmeinungen und individuelle Statements erst gar nicht aufkommen zu lassen (Stahl, 2017). 

Nachdem auch der Gruppenprozess analysiert wurde, so scheint es, dass die Gruppe nach einem Forming, direkt in ein Norming und Perfoming übergegangen ist. Ein Storming hat offensichtlich nicht statt gefunden. Letztendlich gibt es für jede Phase keine fest gelegte Dauer oder eine Berechtigung. In diesem Team hat die fehlende Storming Phase jedoch letztendlich dazu geführt, dass viele Dinge ungesagt blieben und es zu keinem gemeinschaftlichen Team-Spirit kam.

Je mehr unter- und hintergründige Prozesse innerhalb der Gruppe passieren, desto wahrscheinlicher kommt es auf Dauer zu Konflikten und Missverständnissen darüber. 

Es wurde mit dem Auftraggeber eine Teamentwicklungsmaßnahme im ersten Schritt vereinbart um kurzfristig den Abschluss des Projektes nicht zu gefährden. In einem zweiten Schritt wurden nachhaltige Konzepte aus dem Bereich Kommunikation & Konfliktbearbeitung in Teams implementiert.

 

Stahl, E. (2017): Dynamik in Gruppen : Handbuch der Gruppenleitung. Weinheim Basel: Beltz.

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