Online Coaching

Vor- und Nachteile des Telefon-Coaching

In meiner Coachingpraxis ist multimediales Coaching nicht mehr weg zu denken. Dabei spielt es keine Rolle ob dies über das Telefon, eine Videokonferenz, per E-Mail oder im Chat verläuft. Im Vordergrund steht der Coachee und seine Vorstellung wie ein Coaching für ihn optimal verläuft. Letztendlich ist es oft ein Mix aus verschiedenen Kommunikationskanälen und Methoden. Im folgenden sind kurz die Vor- und Nachteile des Telefoncaochings dargestellt.

Im Präsenz-Coaching verfügt der Coach über die Möglichkeiten des nonverbalen, verbalen und paraverbalen Informationstransfers. Im Telefon-Coaching steht lediglich der Hörsinn als verbaler und paraverbaler Informationskanal zur Verfügung. Dies bedeutet weitaus mehr als das Verstehen der Bedeutung der gesprochenen Wörter.

Es geht vielmehr um das ganze Spektrum der Stimme, mit der die Botschaft des Klienten gesendet wird: Die Stimmlage, die Lautstärke der Stimme, Wortbetonungen, Satzpausen, Unterbrechungen, etc.

Um den auditiven Kanal optimal einsetzen zu können ist es wichtig, das Setting mit dem Klienten aufmerksam wahrzunehmen und gegebenenfalls zu thematisieren (Engelhardt, 2010). Und doch kann dieser vordergründige Nachteil ein großer Vorteil sein. Frei von Bildern, Wahrnehmungen und optischen Manipulationen (z.B. Halo-Effekt) kann diese besondere Art des Nicht-Sehens neue Türen in der Coaching-Partnerschaft öffnen. Die Intensität und manchmal auch Intimität die am Telefon entsteht, kann eine Offenheit und Tiefe entfalten lassen, die bei einem Präsenz-Coaching schwer zu erreichen und vielleicht auch nicht gewollt ist. Zudem erlaubt das Telefon-Coaching eine einfachere und schnellere Kontaktaufnahme, gerade in außergewöhnlichen Situation in denen der Klient eine zügige Beratung benötigt (Dick, 2010).

Der Rahmen, in dem das Telefon-Coaching statt findet, ist für den Klienten einzigartig. Er selbst bestimmt wo es sich ereignet. Die Tatsache, dass der Klient für den Coach nicht sichtbar ist, bietet dem Klienten die Möglichkeit, sich von allen Business-Konventionen zu befreien. Er kann sich komplett gehen lassen, es sich bequem machen, den Kopf aufstützen, traurig schauen oder ein erzwungenes Lächeln ablegen. Diese körpersprachliche Befreiung kann zu einer gleichzeitigen Befreiung des Sprechens bei dem Klienten führen. Der Coach wiederum muss für den Klienten ein Umfeld der wechselseitigen Akzeptanz und Vertrauen erzeugen. Er steht vor der Herausforderung, sich ohne äußere Hilfsmittel unmittelbar als wertvoller und kompetenter Gesprächspartner zu positionieren. Dies erlangt er durch seine Haltung, die kongruent, wertschätzend und emphatisch gegenüber dem Klienten sein muss. Diesen Haltungsaspekt kann der Coach über das Telefon sehr gut einsetzen und ist damit genauso wirksam wie bei einem Präsenz-Coaching (Borlinghaus, 2010).

Zusammenfassung

Die Verfügbarkeit digitaler Medien und damit einhergehend eine globale Kommunikation eröffnen neue Wege, die vor allem im arbeitsweltlichen Kontext immer mehr Einzug finden.

Effektivität, Zeit- und Kostenersparnis haben nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für Unternehmen eine hohe Priorisierung. Hier bietet das Telefon-Coaching nachweislich Einsparungspotenziale in zeitlicher wie auch monetärer Hinsicht: Der Coach kann schneller und flexibler auf  akute Anliegen des Klienten reagieren, die Sitzungen können dadurch häufiger und kürzer erfolgen, sie sind raum- und zeitunabhängig und damit ist eine Kommunikation auch während einer Geschäftsreise oder nach einem Umzug des Klienten möglich. Das Coaching ist fokussierter und effektiver, heikle Themen werden unter Umständen leichter angesprochen und können auch zeitlich öfter bearbeitet werden. Letztendlich ergeben sich für den Klienten und für Firmen Kosteneinsparungen in Bezug auf Reise- und Opportunitätskosten.

 

Borlinghaus, R. (2010). Was ist Telefon-Coaching – Ein Paradigmenwechsel. In R. Borlinghaus (Hrsg.), M. Kaiser, T. Göller, S. J. Dick, D. Bornath, S. Engelhardt: Coaching 2.0 Handbuch Telefon-Coaching. Die neue Dimension des Coachings. Kreuzlingen: Bora Text.
Dick, S. J. (2010). Fern und doch ganz nah – Beziehungsgestaltung am Telefon. In: R. Borlinghaus (Hrsg.), M. Kaiser, T. Göller, S. J. Dick, D. Bornath, S. Engelhardt: Coaching 2.0 Handbuch Telefon-Coaching. Die neue Dimension des Coachings (S. 108-131). Kreuzlingen: Bora Text.
Engelhardt, S. (2010). Ganz Ohr – die Kunst des Zuhörens. In R. Borlinghaus (Hrsg.), M. Kaiser, T. Göller, S. J. Dick, D. Bornath, S. Engelhardt: Coaching 2.0 Handbuch Telefon-Coaching. Die neue Dimension des Coachings (S. 132-142). Kreuzlingen: Bora Text.

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